Seite wählen
Pre-Money & Post-Money Bewertung
Verfasst von Dr. Michal Dallos
Pre- & Post-Money

POST- & PRE-MONEY BEWERTUNGSRECHNER

English version of this article can be found here.

Investment

Höhe des Investments, mit dem sich ein Investor am Unternehmen beteiligt

Anteile in %

Beteiligungshöhe, die der Investor im Gegenzug für sein Investment erhällt

Pre-Money Bewertung

0

Post-Money Bewertung

0

Beim Fundraising sollten Startups oder SMEs wie auch Investoren ein gutes Verständnis für den Unterscheid zwischen einer Pre-Money und einer Post-Money Bewertung haben.

Mit unserem Pre- & Post-Money Bewertungsrechner können Sie individuell und unkompliziert diese zwei Unternehmenswerte auf Basis der geplanten Beteiligungshöhe eines Investors berechnen. Trotz dieses bedienungsfreundlichen Tools ist es für Verhandlungen mit Investoren notwendig die Begriffe Pre- & Post-Money Bewertung und deren Anwendung zu verstehen.

Was ist Pre-Money & Post-Money Bewertung?

Die Pre-Money Bewertung bezieht sich auf den Unternehmenswert vor der Beteiligung eines Investors. Dieser Wert spiegelt den Wert des Unternehmens als Ganzes wieder, bzw. den Wert der einzelnen Unternehmensanteile, bevor das Unternehmen Kapital vom Investor erhält. Zeitgleich dient sie als Entscheidungsbasis über die Beteiligungshöhe, die ein Investor im Gegenzug für sein Investment erhält. 

Die Post-Money Bewertung bezieht sich auf den Unternehmenswert nach der Beteiligung eines Investors. Somit berücksichtigt dieser Wert neben der Pre-Money Bewertung auch das zugeflossene Kapital.

Wie berechnet man die Pre-Money und Post-Money Bewertung?

Die Post-Money Bewertung wird durch die folgende Formel berechnen:

`\text{Post-Money Bewertung}= \frac{\text{Kapitalzufluss aus der Investition}}{\text{% erworbener Anteile}}`

Alternativ kann man die Post-Money Bewertung auch aus der Anzahl der ausstehenden Aktien, Anzahl der neu emittierten Aktien und den angebotenen Preises pro Aktie wie folgt berechnen:

`\text{Post-Money Bewertung}= (\text{# ausstehender Aktien} + \text{# neu emittierter Aktien}}*\text{Preis pro Aktien}`

Im einfachsten Fall, wenn keine Secondaries, Wandelanleihen, Optionen oder Ähnliches berücksichtigt werden müssen, ist Pre-Money Bewertung einfach:

`\text{Pre-Money Bewertung} = \text{Post-Money Bewertung} – \text{Kapitalzufluss aus der Investition}`

Mini Case Study 1

Ein Business Angel beteiligt sich mit 45 TEUR an einem Startup und im Gegenzug erhält er oder sie eine 15 prozentige Beteiligung am Unternehmen. Wie hoch ist die Pre-Money & Post-Money Bewertung des Startups?

Post-Money Bewertung = 45.000 € / 0,15 = 300. 000 €

Pre-Money Bewertung = 300.000 € – 45.000 € = 255.000 €

Fundraising und der Unterschied zwischen Pre-Money & Post-Money Bewertung

Missverständnisse darüber, ob sich ein konkreter Unternehmenswert auf Pre-Money oder & Post-Money bezieht können zu großen Unstimmigkeiten zwischen den Altgesellschaftern und dem Investor führen. Bedenkt man, dass der Unternehmenswert die Bezugsbasis für die Beteiligungshöhe ist, sollten beide Parteien frühzeitig ein gemeinsames Verständnis darüber erzielen.

Mini Case Study 2

Angenommen ein Startup such ein Investment in der Höhe von 300 TEUR zu einer Bewertung von 1,2 Mio.€. Wie wirkt sich die Unklarheit über die Bezugsbasis, d.h. Pre-Money oder Post-Money Bewertung auf die Beteiligungshöhe des Investors aus?

Für den Fall, dass sich die Unternehmensbewertung von 1,2 Mio.€ auf den Pre-Money Wert bezieht, wird die Höhe des Investments von 300 TEUR zu diesem Wert hinzugerechnet. Im umgekehrten Fall einer Post-Money Bewertung von 1,2 Mio.€ ist der Pre-Money Wert 0,9 Mio.€. Daraus ergeben sich folgende Beteiligungsverhältnisse nach dem Einstieg des Investors:

Wie man sehen kann führt die Unklarheit bei der Bezugsbasis der Beteiligung zu einer Verschiebung der Beteiligungsverhältnisse um 5% und in unserem Fall zu einer Sperrminorität von 25% im Falle der Post-Money Bewertung –  ein signifikanter Unterschied.

Vorsicht bei Secondaries: Kapital muss ins Unternehmen fließen

Beim Einstieg von Investoren in Unternehmen kommt es öfters vor, dass zusätzlich zum Investment gegen neu geschaffene Anteile („Primary“ genannt) auch Anteile von bestehenden Gesellschaftern übernommen werden. Bei diesen sogenannten „Secondaries“ werden also keine neuen Anteile von Unternehmen ausgegeben, die existierenden Anteil wechseln lediglich den Eigentümer. Es ist klar, dass das Unternehmen aus so einem Eigentümerwechsel keinen direkten Kapitalzufluss erhält, vielmehr landet das Kapital beim verkaufenden Gesellschafter. Gründe für dieses Vorgehen können eine Bereinigung der Captable durch Ausbezahlung der Kleinstgesellschaftern sein oder ein Teil-Exit der Gründer, die nach langer finanzieller Durststrecke ein Teil der Wertsteigerung des Unternehmens zu Geld machen möchten.

Aus der Pre- & Post-Money-Perspektive ist wichtig anzumerken, dass sollche Kapitalflüsse bei der Pre-Money & Post-Money Bewertung nicht berücksichtigt werden dürfen, da sie nicht dem Unternehmen zugutekommen.

Pre-Money & Post-Money Bewertung bei komplexer Kapitalstrukturen

Bedingt durch den Stellenwert und die Dringlichkeit des Fundraising für Startups und der Kreativität aller Beteiligten kann man bereits in jungen Unternehmen recht komplexe Kapitalstrukturen vorfinden. Dazu gehören Optionsscheine, Wandeldarlehen, Mitarbeiter-Beteiligungsprogramme (z.B. ESOP = Employee Stock Option Program) und ähnliche Abmachungen, die entweder die Eigentumsverhältnisse oder den Kapitalfluss im Rahmen eines Investments beeinflussen.

Im Falle solcher komplexerer Kapitalstrukturen ist bei der Post-Money Bewertung die Berechnung der Anzahl von Anteilen um einiges umfangreicher. Hierzu muss nämlich die Ausübung aller In-The-Money (ITM) Optionen, wie auch aller Anteile aus der Umwandlung der Wandeldarlehen berücksichtigt werden. Anschließend erhält man wie gewohnt die Post-Money Bewertung durch die Multiplikation des gezahlten Preises pro Anteil mit der Gesamtzahl der so berechneten Anteile. Die so bestimmte Post-Money Bewertung versteht sich somit auf Basis einer vollständigen Verwässerung, der vollständigen Umwandung und Ausübung aller ITM Optionen.

Analoges gilt bei der Berechnung der Pre-Money-Bewertung: von der Post-Money-Bewertung wird das gesamte Kapital, das ins Unternehmen einfließt abgezogen – nicht nur das Investment vom Investor. Damit ist z.B. das Kapital aus der Umwandlung von Darlehen, wie auch das Kapital aus der Ausübung von ITM Optionen gemeint.

Mini Case Study 3

Angenommen ein Unternehmen mit 100.000 Anteilen finden einen Investor, der bereit ist 160.000 € ins Unternehmen zu je 10€ pro Anteil zu investieren. Wie hoch ist die Pre-Money und Post-Money Bewertung unter der Maßgabe, dass im Unternehmen folgende Verpflichtungen bestehen:

  • Wandelanleihe in der Höhe von 100.000€ mit einem 20% Discount bei der nächsten Finanzierungsrunde
  • Optionsschein, der den Eigentümer berechtig 20.000 Anteile zu je 11€ zu beziehen
  • Mitarbeiterbeteiligungsprogramm mit 5.000 Anteilen zu je 5€ pro Anteil

Im ersten Schritt berechnen wir die Gesamtanzahl der Anteile:

Nun die einzelnen Rechenschritte im Detail:

  • Die Anteile aus dem neuen Investment entsprechen der Höhe des Investments dividiert durch den angebotenen Preis pro Anteil: 160.000€/10€ pro Anteil = 16.000 Anteile.
  • Die Wandelanleihe wird zu 80% des angebotenen Preises pro Anteil umgewandelt (entsprich 20% Discount: 100.000€/(10€ pro Anteil * 80%)= 12.500 Anteile.
  • Aus dem Mitarbeiterbeteiligungsprogramm ergeben sich weiteren 5.000 Anteile.

Alles zusammen erhalten wir also 133.500 Anteile, was bei 10€ pro Anteil einer vollständig umgewandelten, vollständig verwässerten Post-Money-Bewertung von 1.335.000 € entspricht.

Um die Pre-Money-Bewertung zu berechnen, müssen wir alle durch die Umwandlung und Verwässerung ausgelösten Gelströme berücksichtigen:

Auch an dieser Stelle die einzelnen Rechenschritte im Detail. Um die Pre-Money Bewertung zu erhalten müssen vom der Post-Money Bewertung folgende Beträge substrahiert werden:

  • das eigentliche Investment vom 160.000€ abgezogen werden
  • 100.000€ aus der umgewandelte Anleihe, wie auch 
  • 25.000€ auch dem Mitarbeiterbeteiligungsprogramm =5.000 Anteile * 5 € pro Anteil
  • Der Optionsschein wurde bei dieser Berechnung nicht berücksichtigt, da er mit 11€ pro Anteil nicht ITM ist, da das Optionsrecht Anteile je 11€ zu kaufen beim aktuellen Preis pro Anteil von 10€ nicht ausgeübt wird.

Zusammenfassend können wir also feststellen, dass den Investor 160.000€ in unser Musterunternehmen zu einer Post-Money Bewertung von 1,335 Mio.€ und einer Pre-Money Bewertung von 1,05 Mio.€ investiert.

Bedeutung von Pre-Money & Post-Money Bewertungen beim Fundraising

Bei allen Finanzierungsrunden ist es wichtig, ein gemeinsames Verständnis für die einzelnen Schlüsselparameter des Deals zu haben. Zu den Schlüsselparametern gehören das Geschäftsmodell, der Finanz- & Liquiditätsplan, die KPIs und vor allem die Höhe des notwendigen Investments und dessen Verwendungszweck. Gleich danach kommt die Frage nach der Höhe der Anteile im Gegenzug für das Investment. An diesem Punkt muss der Gründer Klarheit über die Pre-Money- und Post-Money-Bewertung des Unternehmens haben.

Die Pre-Money & Post-Money Bewertung basiert auf der allgemeinen Unternehmensbewertung, aufbauend auf der Schätzung der zukünftigen Ertragsstärke, die im Finanz & Liquiditätsplan abgebildet ist. Der Startup CFO unterstütz Dich gern bei diesem komplexen Thema – unsere Leistungen ‚as a Service‘ findest Du hier